Biographie Sex Pistols 




Die Sex Pistols sind eine der bekanntesten englischen Punk-Bands der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Die Mitglieder der Band heißen John ?Johnny Rotten? Lydon, Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock, der 1977 durch Sid Vicious ersetzt wurde. Weitere wichtige Menschen im Umfeld der Sex Pistols waren deren Manager Malcolm McLaren, dem nachgesagt wird, die Band entdeckt und berühmt gemacht zu haben, die Designerin Vivienne Westwood, der Regisseur Julien Temple, der drei Filme über sie drehte, und der Grafiker Jamie Reed. Gemeinsamer kultureller Hintergrund von McLaren, Westwood und Reed waren die Pariser Studentenunruhen von 1968 und der Situationismus, sowie die Mitte der 70er Jahre entstandene New Yorker Punk-Szene um die Ramones, Richard Hell (dessen Aussehen einschließlich Sicherheitsnadeln und zerrissener T-Shirts Johnny Rotten kopierte) und Johnny Thunders und deren musikalischen Vorbilder The Stooges mit Iggy Pop, MC5, the Ramones und New York Dolls (mit Thunders), die auch kurzfristig von McLaren gemanagt wurden.

Geschichte

Anfänge

Die Ursprünge der Band reichen zurück bis in das Jahr 1973, als die Schulfreunde Steve Jones, Paul Cook und Warwick Nightingale beschlossen, mit gestohlenem Equipment eine Band zu gründen. Im Juni 1974 stieß Glen Matlock als fester Bassist dazu, und die noch namenlose Gruppe hatte in dieser Besetzung Anfang 1975 ihren ersten Auftritt auf einer Party. Im Juni 1975 wurde Gitarrist Nightingale (der den ersten eigenen Song Did you no wrong geschrieben hatte) aus der Band geworfen, Steve Jones wechselte vom Gesang zur Gitarre, und ein neuer Sänger wurde Ende August 1975 in John Lydon gefunden. Die Band verbrachte den Herbst mit intensiven Proben und trat am 5. November 1975 unter dem neuen Namen Sex Pistols zum ersten Mal auf. Der Großteil des Songwritings wurde von Glen Matlock übernommen, während es Steve Jones' Aufgabe war, Matlocks Ideen zu möglichst knappen und aggressiven Arrangements zu komprimieren. John Lydon übernahm das Schreiben von Texten (bis auf den Song Pretty Vacant, der komplett von Glen Matlock stammte).

Sex Pistols 1976-77

Nach ihrem Auftritt am ?100 Club Punk Festival? (September 1976) bekamen sie einen Vertrag bei der Plattenfirma EMI. Ihre erste Single, Anarchy in the U.K., erschien im November 1976. Nach einem aufsehenerregenden Fernsehauftritt auf ITV zog EMI die Single zurück und kündigte am 6. Januar 1977 den Vertrag mit der Band. Wegen ständiger Querelen mit John Lydon verließ Glen Matlock im Februar 1977 die Gruppe und wurde durch Sid Vicious ersetzt, der zwar das passende Image hatte, aber als Bassist nur rudimentäre Kenntnisse vorzuweisen hatte. Folgerichtig wurden im Studio die Bassläufe von Gitarrist Steve Jones eingespielt.

Die zweite Single, God Save The Queen, sollte zuerst bei A&M, wo die Band seit 10. März unter Vertrag war, erscheinen. Die Single wurde noch vor der Veröffentlichung wieder eingestampft und auch dieser Vertrag vom Label aufgelöst. Reich an Abfindungen, aber ohne erhältliche Plattenveröffentlichungen, unterschrieb die Band schließlich bei dem eigentlich verhassten Hippie-Label Virgin, wo am 27. Mai 1977 God Save The Queen noch rechtzeitig zum Thronjubiläum der Queen veröffentlicht wurde. Die Single wurde angeblich die Nummer 1 der englischen Charts, wurde aber auf den offiziellen Listen, angeblich wegen royalistischer Loyalität der Verantwortlichen, nur auf Platz 2 geführt. Die Single erlangte auch eine Menge Aufsehen, als die Band sich zum Geburtstag der Queen 1977 ein Boot mietete (welches ausgerechnet ?Queen Elizabeth? hieß), auf dem sie mitten auf der Themse vor Journalisten und geladenen Gästen in voller Lautstärke ein Konzert gab. Das Boot wurde von der Wasserschutzpolizei aufgebracht und die meisten der Passagiere verhaftet, die Band selbst konnte jedoch entkommen. Die Publicity rächte sich jedoch in den folgenden Wochen, als Mitglieder der Band von Royalisten überfallen wurden.

Um der aufgeheizten Stimmung in England zu entkommen, gingen die Sex Pistols auf eine kurze Skandinavien-Tour. Eine England-Tour folgte, allerdings unter dem Pseudonym SPOTS (Sex Pistols On Tour Secretly), um Auftrittsverbote zu umgehen. Im November 1977 erschien die erste (und eigentlich einzige) LP Never Mind the Bollocks, Here?s the Sex Pistols, eine Klage wegen angeblicher Obszönität des Titels wurde abgewiesen.

Auflösung

Anfang 1978 gingen die Sex Pistols auf USA-Tournee, an deren Ende Johnny Rotten die durch die Machenschaften ihres Managers zerrüttete Band verließ. In der Folge hielt der Rest der Band noch kurze Zeit zusammen, bevor man sich endgültig trennte.

Nach den Sex Pistols

Rotten, der sich wieder Lydon nannte, gründete Public Image Ltd., Jones und Cook die Professionals. Davor hatten sie versucht, zusammen mit Jimmy Pursey, dem Sänger von Sham 69, in einer Band namens Sham Pistols zu spielen, was aber sehr bald scheiterte. Malcolm McLaren veruntreute die Einnahmen der Band mit dem selbstverliebten Kinofilm The Great Rock ?n? Roll Swindle und nutzte die Anfänge von Rap und Hip-Hop für eine Solokarriere. Er wurde in den 1980er Jahren von den überlebenden Bandmitgliedern wegen seiner Machenschaften erfolgreich verklagt. Glen Matlock gründete die Rich Kids, und Sid Vicious strebte ebenfalls eine Solo-Karriere an und wurde Teil der New Yorker Heroin-Szene. Mit seiner Version des Frank-Sinatra-Songs My Way konnte er sogar Charterfolge verbuchen. Ende 1978 wurde er jedoch in New York angeklagt, seine Freundin Nancy Spungen ermordet zu haben, starb aber vor den Verhandlungen am 2. Februar 1979 an einer Überdosis Heroin.

Reunion

Die überlebenden Mitglieder der Band gingen 1996 auf der Höhe des Punk-Revivals auf Welt-Tournee. Im Sommer 2002 spielten sie nochmal zum 50. Thronjubiläum der Queen und im Jahr 2003 eine erneute Revival-Tour in den USA. Am 13. März 2006 sollten die Sex Pistols bei einer Zeremonie im New Yorker Waldorf Astoria Hotel offiziell in die ?Hall of Fame der Rock-Stars? aufgenommen werden. Die Gruppe lehnte dies jedoch ab und veröffentlichte ein Pamphlet, in dem es unter anderem hieß, ?Wir kommen nicht... [1] euer Museum. Urin in Wein? und die Eintrittspreise der Veranstaltung thematisiert wurden: ?25.000 Dollar für einen Tisch im Saal und 15.000 Dollar für einen Blick von der Galerie?.

Im Juni 2007 gingen John Lydon, Steve Jones und Paul Cook mit dem Produzenten Chris Thomas ins The Boat Recording Studio in Los Angeles und nahmen neue Studioversionen der Songs "Anarchy in the U.K." und "Pretty Vacant" für das Videospiel Guitar Hero III auf.

Zum 30. Jubiläum des Never Mind The Bollocks-Albums absolvierten die Sex Pistols im Oktober und November 2007 acht Auftritte in Los Angeles und Großbritannien.

Gegenüber dem Journalisten Clive Prior (MOJO-Magazin, Januar 2008) schlossen John Lydon und Steve Jones die Möglichkeit eines neuen Studioalbums nicht mehr aus. Steve Jones: "Ich persönlich würde gerne ein paar neue Songs aufnehmen. Ich dränge schon seit Jahren darauf. Ich denke es könnte bald soweit sein." John Lydon: "Früher habe ich gesagt, daß ich nie wieder Material mit dieser Band aufnehmen werde. Aber wenn es weiter so gut läuft und wir uns weiterhin so gut verstehen, würde ich nicht mehr nein sagen, es ist nämlich echt aufregend."

Würdigung

Die Sex Pistols gelten als eine der wichtigsten Bands der englischen Punkgeschichte, auch wenn ihre Musik schon damals mehr Hard Rock als typischer Punk war. Die Band selbst lehnte das Etikett ?Punk? für sich auch immer ab. Einfache Akkorde, gerade Basslinien, schnelles, hartes Schlagzeug, wie sie als Musikform noch bei heutigen Punk-Bands zu finden sind, wurden eher von anderen Bands wie den Ramones oder den Buzzcocks aus Manchester entwickelt. Neben der Musik trugen besonders die provokanten Texte und das schockierende Auftreten der Sex Pistols dazu bei, dass Punk zur bestimmenden Musik- und Kulturbewegung der späten 1970er Jahre wurde, und sie selber zu deren Ikone.

Diskographie

Studioalben

  • Never Mind the Bollocks, Here?s the Sex Pistols ? 1977
  • The Great Rock ?n? Roll Swindle (Doppel-LP) ? 1979


Konzertalben

  • The Original Pistols Live (eine von dutzenden halblegaler Live-CDs) ? 1985
  • Filthy Lucre Live (Live von der Reunion-Tournee) ? 1996
  • Winterland Concert 1978 (letztes Konzert vor dem Ausstieg von Johnny Rotten) ? 1996


Kompilationen und Raritäten

  • Spunk (Illegaler Konzertmitschnitt mit Demoaufnahmen) ? 1977
  • Some Product (Carri On Sex Pistols) (Collage aus Interviews und Rundfunksendungen) ? 1979
  • The Heyday (Kassette mit Interviews) ? 1979
  • The Great Rock'n'Roll-Swindle (einfache LP) ? 1979
  • Flogging A Dead Horse (Singleskompilation) ? 1980
  • Kiss This (von der Band autorisierte Kompilation) ? 1992
  • Never Mind The Bollocks/Spunk (Doppel-CD) ? 1996
  • Jubilee (Kompilation) ? 2002
  • Sex Pistols (3-CD-Box) ? 2002


DVDs

  • "Sex Pistols - Live At The Longhorn" - c 1995 , sanctuary records, SVEM035
  • "Never Mind the Bollocks Here's the Sex Pistols ... the definitive authorised story of the album" - c 2002, Eagle Vision, EREDV282


Literatur

  • Fred Vermorel, Judy Vermorel: Sex Pistols ? The Inside Story (Omnibus Press,1978)
  • Julie Burchill, Tony Parsons: The Boy Looked At Johnny (Pluto Press,1978)
  • Ray Stevenson: The Sex Pistols File (Omnibus Press,1978)
  • Dennis Morris: Rebel Rock (Omnibus Press,1985)
  • Dave Thomas: Johnny Rotten In His Own Words (Omnibus Press,1988)
  • Lee Wood: The Sex Pistols Diary ? Day By Day (Omnibus Press,1988)
  • Glen Matlock, Pete Silverton: I Was A Teenage Sex Pistol (Omnibus Press,1990) (stark erweiterte Neuausgabe: Reynolds & Hearn,2006)
  • Bob Gruen: Chaos! (Omnibus Press,1990)
  • Jon Savage: England's Dreaming (Faber & Faber,1991)
  • Keith Bateson, Alan Parker: Sid's Way (Omnibus Press,1991)
  • Noel Monk: 12 Days On The Road (Harper Collins,1992)
  • John Lydon: Rotten ? No Irish, No Blacks, No Dogs (Hodder & Stoughton,1994)
  • David Dalton: El Sid (St. Martin's Press,1997)
  • Malcolm Butt: Sid Vicious Rock'n'Roll Star (Plexus Publishing,1997)
  • Géant Vert: Les Sex Pistols (Alternatives et Parallèles,1998)
  • Clinton Heylin: Never Mind The Bollocks (Penguin Books,1998)
  • Paul Burgess, Alan Parker: Satellite (Abstract Sounds,1999)
  • Gavin Walsh: God Save The Sex Pistols (Plexus Publishing,2002)
  • Dennis Morris: Destroy (Creation Books,2002)
  • Alan Parker: Vicious ? Too Fast To Live... (Creation Books,2004)
  • Jeff Bench: Rex Collections ? The Sex Pistols (Reynolds & Hearn,2005)
  • David Nolan: I Swear I Was There ? The Gig That Changed The World (IMP,2006)
  • Joel McIver: Sex Pistols ? The Making Of 'The Great Rock'n'Roll Swindle' (Unanimous Ltd.,2006)
  • Rob Johnstone (Hrsg.): John Lydon ? Stories of Johnny: A Compendium Of Thoughts On The Icon Of An Era (Chrome Dreams,2006)
  • Brian Southall: Sex Pistols ? 90 Days at EMI (Omnibus Press,2007)
  • Alan Parker: Sid Vicious ? No One Is Innocent (Orion Books,2007)
  • Dave Goodman: My Amazing Adventures With The Sex Pistols (The Bluecoat Press,2007)


Weblinks



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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sex Pistols
Ihr Inhalt steht unter der GNU Free Documentation License

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